Die aktuelle Lage der Baukonjunktur

Nach Meinung des Statistischen Bundesamtes stößt die boomende Baubranche nach langem Aufschwung allmählich an die Grenzen ihres Wachstums. Im März ging das Neugeschäft gemessen am Vormonat zurück. Der saison-,arbeitstäglich- und preisbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe lag demnach im März 1,9 % unter dem Wert des Februars. Auch im gesamten ersten Quartal stand gemessen am Schlussquartal 2018 ein ebenso hohes Minus.

 

 Als Grund wurde das mittlerweile sehr hohe Niveau der Bestellungen in der Branche ausgemacht. Denn, obwohl die Anzahl der Beschäftigten im Baugewerbe seit 2012 um über 5 % gesteigert werden konnte, sehen sich viele Bauunternehmen auf Grund der kontinuierlich hohen Nachfrage immer wieder mit Kapazitätsengpässen konfrontiert. Die Kapazitätsauslastung hat im 4. Quartal 2018 die 80 % -Grenze überschritten, war also höher, als die Auslastung während des Baubooms nach der deutschen Wiedervereinigung, die rund 70 % betrug. Viele Unternehmen haben immer mehr Probleme neue Aufträge in einer angemessenen Zeit abzuarbeiten, so dass sich die Reichweite des Auftragsbestandes auf teilweise deutlich über 4 Monate erhöhte.

 

Hinzu kommt das wachsende Problem „Fachkräftemangel“. Allein 2017 gingen geschätzt 15.500 Facharbeiter in den Ruhestand. Aus dem aktuellen Arbeitsangebot ist diese Bedarfslücke nicht zu schließen. Die Zahl der arbeitslosen Facharbeiter im Hoch- und Ausbaugewerbe sank seit 2011 um 40 % und gleichzeitig stiegen die Vakanzzeiten offener Stellen immer weiter an. Zum Beispiel dauerte die Besetzung einer offenen Stelle im Bereich Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik durchschnittlich 183 Tage, 27 mehr als im Vorjahreszeitraum.

 

Als eine Lösung des existierenden Kapazitätsengpasses sieht man Produktivitätssteigerungen. Im europäischen Vergleich gehört das deutsche Baugewerbe zwar zur Gruppe der fünf produktivsten Nationen, allerdings deutet der Abstand zur Spitzengruppe aus den Niederlande, Belgien und Dänemark, die um 30 – 50 % produktiver sind und diese Produktivität auch schneller steigern als das deutsche Baugewerbe, auf Steigerungspotentiale hin. Verbesserungspotentiale sieht man in neuen Produktionsverfahren, wie durch „modulares / elementbasiertes Bauen und in der Digitalisierung, wo das Baugewerbe im Vergleich zu anderen Branchen noch viel Aufholpotential hat.

 

Die Bauwirtschaft hat einen langen Aufschwung hinter sich. Die Steigerung des Branchenumsatzes in 2018 um 8 % ist das sechste Jahresplus in Folge. Auch für 2019 wird, zum jetzigen Zeitpunkt, trotz der vorgenannten „Problemfelder“ ein Plus von um die 4 % erwartet, so dass die Bauwirtschaft weiterhin zur wichtigen Stütze für die deutsche Wirtschaft zählt.