Wenn der Kunde nicht zahlt, kann eine Forderungsausfallversicherung helfen

Kennen Sie das Zahlungsverhalten und die Bonität Ihrer Kunden? Lange Zahlungsfristen und Fristüberschreitungen sind leider in der Baubranche zwischenzeitlich keine Seltenheit mehr. Häufig steigt mit längeren Zahlungszielen auch das Ausfallrisiko deutlich an. Die Schäden durch Insolvenzen im Jahr 2018 betrugen im Übrigen beachtliche 26 Mrd. Euro. Und: jede dritte Insolvenz in Deutschland ist eine Folgeinsolvenz aufgrund eines Forderungsausfalls.

 

Im Vergleich zu einer reinen Wirtschaftsauskunft, z.B. über Creditreform, kann man dieses Risiko eines Forderungsausfalls mit einer sog. Forderungsausfallversicherung (die Versicherungsbranche bezeichnet dies häufig als Warenkreditversicherung) umfassend absichern. Bei konsequenter Bearbeitung kann man daher Forderungsausfälle mit Ausnahme des Eigenanteils generell ausschließen.

 

Gerade Betriebe, deren gelieferte Produkte nach dem Einbau unlösbar mit anderen Produkten verbunden werden, sodass ein neues Gesamtendprodukt entsteht (und das ist im Bau regelmäßig der Fall), haben ein zusätzliches Risiko: obwohl das eigene Produkt mangelfrei geliefert wurde, verweigert der Auftraggeber die Zahlung an einen Verarbeiter Ihres Produktes beispielsweise wegen dessen fehlerhafter handwerklichen Arbeit. Auch dieses zusätzliche Risiko wird über eine Warenkreditversicherung einfach gelöst.

 

Weiterhin gehört das Bestreiten von Forderungen bei Handwerkern zwischenzeitlich leider zum Bau-Alltag. Viele Bauunternehmen werden dadurch vor große Liquiditätsprobleme gestellt. Ein klassisches Beispiel: ein Bauunternehmen hat den Bauabschnitt fertiggestellt und ist damit in erhebliche Vorleistung gegangen. Der Auftraggeber will wegen eines angeblichen Mangels nicht bezahlen und bestreitet – oft nur wegen weniger Kleinigkeiten – die Rechnung. Eine Einigung dauert oft Jahre, wenn man dies im Rahmen eines Gerichtsverfahrens klären lässt. Und: je größer das Bauprojekt, desto größer wird auch der dadurch entstehende Liquiditätsengpass. Die Absicherung bestrittener Forderungen über eine Warenkreditversicherung ist somit ein wichtiger Baustein, welcher in der Baubranche nie fehlen sollte. Das gilt natürlich auch für die Mitversicherung von Forderungen gegenüber öffentlichen Auftraggebern, die kein Insolvenzrisiko, dafür jedoch eine immer schlechtere Zahlungsmoral haben.     

 

Ein weiteres typisches Baurisiko, stellt das sog. Fabrikationsrisiko dar. Gerade bei größerem Aufwand bei der jeweiligen Vorfertigung (Vorlaufkosten), nimmt das Ausfallrisiko vor der Rechnungserstellung deutlich zu. Besonders dabei betroffen sind im Bau die Dachdecker, Zimmerer und Heizungsbauer. Auch die Fensterbauer können bei großen Projekten davon betroffen sein. Diese Selbstkosten können als Zusatzbaustein "Fabrikationsrisiko" im Rahmen der Forderungsausfallversicherung mitversichert werden.

 

Ein weiterer Zusatzbaustein, die Absicherung gegen Insolvenzanfechtung, rundet das Angebot in der Forderungsausfallversicherung ab. Trotz der neuen Gesetzgebung ist die Anfechtung von bereits bezahlten Rechnungen durch den Insolvenzverwalter geblieben. Hier konnten die Forderungen der deutschen Bauwirtschaft leider nicht über eine modifizierte Gesetzgebung umgesetzt werden. Aber eine kleine Verbesserung ist dennoch eingetreten: statt bislang zehn Jahre beträgt der Anfechtungszeitraum neu nur noch vier Jahre. Darüber hinaus sind Zahlungen nur dann anfechtbar, wenn der Lieferant wusste, dass der Kunde tatsächlich zahlungsunfähig war. Aus unserer Erfahrung wird dies jedoch nur wenig bewirken, denn die allermeisten Fälle spielen sich statistisch innerhalb der ersten vier Jahre ab. Damit die Kosten eines solchen Verfahrens dann nicht doch selbst beim Unternehmer verbleiben, rundet der Baustein "Rechtsschutz für Insolvenzanfechtung" diesen Versicherungsschutz ab.

 

Aus unseren Gesprächen mit den Versicherern und Veröffentlichungen des GDV bleibt zu konstatieren, dass maximal 5 Prozent der Unternehmen aus der Bauwirtschaft eine eigene Forderungsausfallversicherung abgeschlossen haben. Der häufigste Grund, der uns gegenüber oft angeführt wird, ist, dass diese Versicherung als zu teuer empfunden wird.

 

Aber was passiert, wenn Sie als Unternehmer z.B. eine Rechnung in Höhe von 100.000 EUR abschreiben müssen, weil Ihr Kunde insolvent ist? Bei einer Umsatzrendite von beispielsweise 5 Prozent müssten Sie einen Mehrumsatz von 2.00.000 EUR generieren, um diesen Ausfall zu kompensieren. Ob dies für Sie realistisch sein kann, werden nur Sie selbst einschätzen können.

 

Deshalb kann als Fazit durchaus die Schlussfolgerung gezogen werden: Den jährlichen Versicherungsbeitrag kann man kalkulieren, mögliche Forderungsausfälle bleiben jedoch mit einem hohen Risiko des Unkalkulierbaren zurück.

 

Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, dann sprechen Sie uns an. Wir sind gerne für Sie da!